Einkaufswagen - 0,00 €

Sie haben keine Artikel im Warenkorb.

Zielfernrohre

Grundsätzliches
Aufbau
Absehen
Treffpunktkorrektur
Schätzen von Entfernungen
Unterschiedliche Einsatzbereiche
Parallaxe
Schussprüfer


 

Dieses Bild basiert auf dem Bild Zielfernrohr Bezeichnungen.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Joachim Baecker.

 

Gesamtansicht der Komponenten Waffe, Montage und Zielfernrohr.

 

 

Grundsätzliches

Ohne Zielfernrohr visiert der Schütze das Ziel über Kimme und Korn an. Sein Auge wechselt also ständig zwischen den Ebenen von Kimme, Korn und Ziel. Da Kimme und Korn unterschiedlich weit vom Auge entfernt sind (z. B. 30 cm und 100 cm), ist schon innerhalb der offenen Visiereinrichtung eine Anpassungsleistung des Auges gefordert. Das Ziel wiederum liegt in einer völlig anderen Entfernung. Dieser Akkommodationsvorgang ist anstrengend und führt leicht zu ungenauen Schüssen. Besonders bei älteren Schützen kann dieser komplexe Prozess aufgrund altersbedingter Fehlsichtigkeiten erhebliche Probleme bereiten oder gar nicht mehr möglich sein. Die Grenze des scharfen Sehens liegt mit 30 Jahren etwa bei 15 Zentimetern (Kimme und Korn liegen also gemeinsam außerhalb dieser Grenze), mit 50 Jahren bei etwa 40 Zentimetern (die Kimme liegt also innerhalb, das Korn außerhalb dieser Grenze). In noch höherem Alter verlieren die meisten Menschen die Fähigkeit, ihre Augen auf Lese- oder Arbeitsdistanz zu akkommodieren.

 

 

Das Spitzenmodell von LUGER: PRO-NA 3 – 12 x 56 mit beleuchtetem Absehen.
Quelle: LUGER Katalog

 

Verwendet der Schütze hingegen ein Zielfernrohr, platziert er lediglich die Mitte des Absehens auf den Haltepunkt. Somit muss das Auge nicht mehr drei optische Ebenen zur Deckung bringen (Kimme, Korn, Ziel), sondern nur noch zwei – Absehen und Ziel. Das Okular des Zielfernrohrs ist sehr nahe am Auge des Schützen (ca. 8 cm) und verfügt zudem über eine Dioptrieneinstellung zur Korrektur der im üblichen Rahmen liegenden Kurz- und Weitsichtigkeiten. So können Ziel und Zielhilfe problemlos gleichzeitig scharf gesehen werden. Zu dieser wesentlichen Erleichterung gesellt sich die Vergrößerungsleistung des Zielfernrohrs (siehe Kapitel 3.1). Durch die Verwendung eines Zielfernrohrs kann sich der Schütze also viel leichter auf das Ziel konzentrieren, das zudem vergrößert und damit näher erscheint. Die Trefferwahrscheinlichkeit wird dadurch in den meisten jagdlichen Situationen beträchtlich erhöht. Kugelwaffen ohne Zielfernrohr sind heute praktisch nur noch bei Drückjagden zu finden. Sie werden von Jägern geführt, die für den schnellen Schuss auf kurze Distanzen die offene Visierung oder ein Leuchtpunktvisier vorziehen.

 

 

LUGER Jagd NA 8 x 56 mit Leuchtabsehen auf .30-06 Repetierbüchse. Eine gute Kombination für den nächtlichen Ansitz auf Schwarzwild.
Quelle: Eigene Fotografie.

 

Leuchtpunktzielgeräte, wie z. B. das beliebte LUGER DOT 5, finden zunehmend Anerkennung und Verbreitung unter Jägern, die häufig an Drückjagden teilnehmen. Näheres hierzu in Kap. 4.4.3. Wichtig: Leuchtpunktzielgeräte müssen ebenso sorgfältig montiert und eingeschossen werden wie Zielfernrohre.

 

Das LUGER PRO-NA 1 - 4 x 26 mit regelbarem Rotpunkt-Absehen. Ein Spezialglas für die Drückjagd, das auch in anderen jagdlichen Situationen seinen Mann steht.
Quelle: LUGER Katalog

 

Aus dem bisher Gesagten ist deutlich geworden, wie komplex und sensibel das Thema „Zielfernrohre“ ist. Wenn erfahrene Jäger über Zielfernrohre diskutieren, offenbart sich eine große Spannbreite von Meinungen, Eindrücken und persönlichen Präferenzen. Es ist nicht leicht, das richtige Zielfernrohr für den jeweiligen Einsatzbereich zu finden.  

 

Neben den optischen und technischen Daten spielt nicht nur die Wahl des richtigen Absehens eine wichtige Rolle, sondern auch die Ästhetik. Schon mancher Jäger – fest entschlossen, das „alte Ding“ nun endlich gegen ein modernes Zielfernrohr mit Leuchtabsehen einzutauschen, ist unverrichteter Dinge wieder nach Hause gegangen, weil er sich nicht dazu durchringen konnte, „so einen 8 x 56-Prügel“ auf seine zierliche Kipplaufbüchse zu montieren.

 

Blick mit einer Digitalkamera durch das Absehen 4A eines LUGER JAGD NA 8x56 Zielfernrohrs. Die Absehensbeleuchtung ist nicht eingeschaltet. Diese Ansicht verdeutlicht auch, wie 8fache Vergrößerung einen Teil aus der Umgebung „herausschneidet“.
Quelle: Eigene Fotografie

 

In diesem Text können nur die wesentlichen Aspekte angesprochen werden. Aus der Vielzahl der optischen und technischen Daten, Absehen, Bauarten und Materialien des Zielfernrohrs auf der einen Seite und der waffenseitigen Vorgaben auf der anderen Seite, die es in Einklang zu bringen gilt mit den individuellen jagdlichen Gegebenheiten, persönlichen Präferenzen und finanziellen Aspekten, ergibt sich eine fast unüberschaubare Vielfalt von Optionen. Im „Blase“, einem Standard-Lehrbuch für die Vorbereitung auf die Jägerprüfung, wurden in der Ausgabe von 1988 lediglich zwei Standardabsehen (1 und 4) aufgeführt. Heute, da sich Leuchtabsehen mehr und mehr durchsetzen und die Einflüsse ausländischer Hersteller (z. B. die verschiedenen Plex-Absehen) fest etabliert sind, gibt es Dutzende von Absehen mit den unterschiedlichsten Kombinationen von Balken, Kreuzen, Linien, Punkten, Skalierungen, Verdickungen und Leuchteinrichtungen.

 

 

Eine Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, heute vorkommender Absehen. Die einzelnen Hersteller haben ihre eigenen Entwicklungen und Bezeichnungen (hier: gängige englische Bezeichnungen).

 

Diese Abbildung basiert auf dem Bild Reticles vector. svg der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Autor ist jellocube 27.

 

Auch bei den Abmessungen und technischen Daten eines Zielfernrohrs gibt es eine Vielzahl von Werten, die es zu beachten gilt, um den Büchsenmacher nicht vor  unlösbaren Aufgaben bei der Montage zu stellen: Neben Gesamtlänge und Objektivdurchmesser (letzterer bestimmt wesentlich die Montagehöhe) sind auch der Mittelrohrdurchmesser (1 Zoll/25,4 mm oder 30 mm), der verfügbare Raum zwischen Objektiv-/Okularübergängen und Mittelturm sowie der erforderliche Augenabstand zu beachten, d.h. müssen mit den Gegebenheiten der Waffe in Einklang zu bringen sein. Zudem gibt es Zielfernrohre mit Montageschiene, die wiederum ganz eigene  Maße und Montagevoraussetzungen haben können.  

 

 


http://www.optamit.de/site/files/file_902.pdf

 

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist die Hilfe eines Büchsenmachers bei der Montage erforderlich. Er ist der Fachmann, der eine sachgerechte und sichere Montage garantieren kann und bei der zunehmenden Vielfalt von Konstruktionen den Überblick behält. So gibt es, um nur einige zu nennen, Schwenk-, Einhak-, Kipp-, Sattel- und Aufschubmontagen, jeweils mit weiteren Untergruppen (z. B. Brückenschwenkmontage) und teilweise markenspezifischen Spezifikationen. Hier ist unbedingt der Fachmann gefragt, um die richtige Wahl und sachgerechte handwerkliche Ausführung sicherzustellen.

Allerdings ist hier auch ein kleines Wort der Vorsicht angebracht:

Einige Büchsenmacher versuchen, dem Kunden ihre „Hausmarke“ schmackhaft zu machen. Wie unschwer zu erraten ist, gehört das entsprechende Produkt meist den höheren Preissegmenten an. Die dargebotenen Argumente sollten aufmerksam und kritisch verfolgt werden. Gleichzeitig sollte der Kunde aber seine eigenen preislichen und sonstigen Vorstellungen im Auge behalten und versuchen, eine vernünftige Abwägung vorzunehmen. Der Käufer allein muss entscheiden, ob das, was ihm angepriesen wird,

- zutreffend ist (die Lektüre dieses Textes ist hierbei hoffentlich eine Hilfe)

- für die vorgesehenen Einsatzbereiche das Richtige ist.

 

Schließlich geht es um den Geldbeutel, die Belange und die Vorstellungen des Käufers, nicht des Verkäufers.

Gegebenenfalls muss der Kunde darauf bestehen, dass das von ihm ausgewählte und für gut befundene Zielfernrohr montiert wird – auch gegen die Vorstellungen des Fachmanns.

LUGER empfiehlt VIRTUS Montagen, eine, sichere, solide und zuverlässige Verbindung zwischen Waffe und Zielfernrohr.

Zielfernrohre müssen, insbesondere wegen ihrer technisch aufwändigen Absehensverstellung, als hochpräzise Messinstrumente angesehen werden. Im Sinne der waidgerechten Jagd ist es unerlässlich, dass sie gleich bleibende Zielergebnisse produzieren. Die mechanisch-optische Robustheit und Zuverlässigkeit ist daher ein absolutes Muss im Zielfernrohrbau. Leider ist immer wieder von Fällen zu hören, bei denen es aufgrund fehlerhafter Steuerelemente oder falscher Lagerung der optischen Elemente zu einer Veränderung der Treffpunktlage beim Wechsel der Vergrößerung kommt. Bei 3facher Vergrößerung liegt dann beispielsweise der gewünschte Hochschuss von 4 cm vor, bei 8facher Vergrößerung wird daraus ein nicht akzeptabler 6-cm-Rechtsschuss – ein deutlicher Hinweis auf eine fehlerhafte interne Steuerungsmechanik. Ein solches Zielfernrohr ist in der Praxis nicht zu gebrauchen bzw. hat bestenfalls noch den Gebrauchswert eines Zielfernrohrs mit fixer Vergrößerung.

Vor dem Kauf eines Zielfernrohrs müssen natürlich eventuelle Einschränkungen des Herstellers beachtet werden. Wird ein Zielfernrohr z. B. ausdrücklich nur für Luftgewehre, Kleinkaliber oder sogenannte „Schonzeitkaliber“ ausgewiesen, darf es selbstverständlich nicht auf Waffen mit stärkeren Kalibern verwendet werden.

 

 

 

Aufbau

 

Der grundsätzliche Aufbau eines Zielfernrohrs entspricht dem von Fernglas und Spektiv mit der folgenden Ausnahme: Im Umkehrsystem kommen Umkehrlinsen statt Umkehrprismen zum Einsatz. Dadurch entstehen zwei Bildebenen und die Verlagerung der Austrittspupille nach außen wird ermöglicht.

 

Das Linsensystem des Objektivs erzeugt ein auf dem Kopf stehendes, seitenverkehrtes Bild (= 1. Bildebene oder Objektivbildebene). Die Linsen des  Umkehrsystems richten das Bild auf und projizieren es in die Okularbildebene (= 2. Bildebene). Das üblicherweise aus drei Linsen bestehende Okular vergrößert das in der 2. Bildebene erscheinende Bild für das Auge.


Das „Innenleben“ eines Zielfernrohrs. Entgegen üblicher Konventionen kommt auf diesem Bild das Licht von rechts.

Dieses Bild basiert auf dem Bild Zielfernrohr Schema.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Joachim Baecker.


Umkehrsystem und Okular sind so ausgelegt, dass die Austrittspupille um ca. 6 – 9 cm nach außen verlagert wird. Dieser Abstand – der Augenabstand – ist erforderlich, um das Auge des Schützen vor den Folgen des Rückstoßes der Waffe zu schützen. Während bei Fernglas und Spektiv das Auge unmittelbar am Okular anliegt, ist also beim Zielfernrohr ein deutlicher Abstand gegeben.

Dieser Augenabstand spielt bei der Montage eine wichtige Rolle, damit der Schütze im normalen Anschlag ein optimales Bild mit vollem Sehfeld erhält (das in Folge der nach außen verlagerten Austrittspupille allerdings deutlich kleiner ist als bei einem vergleichbaren Fernglas). Muss der Schütze im Anschlag erst mühsam den richtigen Abstand ermitteln, ist der Augenabstand nicht korrekt eingestellt, das Zielfernrohr also nicht optimal montiert. Die Montage muss so ausgeführt sein, dass bei größtmöglichem Abstand zum Auge der optimale Bildausschnitt dargeboten wird.

Wer sein Auge zu dicht an das Okular eines Zielfernrohrs anlegt, erhält nicht nur ein unbrauchbares Bild, sondern muss bei der Schussabgabe mit Verletzungen im Augenbereich rechnen.

Im Umkehrsystem befindet sich auch die Steuereinheit für das Absehen. Bei variablen Gläsern erfolgt diese Regelung, die hochpräzise Feinmechanik erfordert, meist über zwei Steuerkurven, die die Vergrößerung durch Bewegung der Linsengruppen im Umkehrsystem stufenlos verstellen.

 

 

 

Absehen

 

Das Absehen ist die Visiereinrichtung, die Zielmaske des Zielfernrohrs. In der Regel besteht es aus sehr dünnen (0,01 mm) Metallfolien, die über außerordentliche Festigkeit bei gleichzeitig großer Elastizität verfügen müssen, um die beim Schuss auftretenden Belastungen ohne Beeinträchtigungen zu überstehen.

 

Die Verstelleinrichtungen des Absehens befinden sich in Türmchen, die seitlich (Links-Rechts-Verstellung der Treffpunktlage) und oben (Hoch-Tief-Verstellung) am Tubus angebracht sind. Leuchteinheiten für beleuchtete Absehen sind meist in einem weiteren Türmchen am Okular untergebracht. Die Beleuchtung des Absehens erfolgt über eine Leuchtdiode. Diese strahlt die zu beleuchtenden Teile des Absehens an, die meist auf einer Glasplatte aufgebracht sind. Bei den Leuchtabsehen und Beleuchtungseinrichtungen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Ausführungen und Konstruktionen, die alle ihr Für und Wider aufweisen und meist nach entsprechender Gewöhnung ihren Zweck erfüllen. In der Praxis sind zwei Fragen von Interesse:

 

  1. Ist das Absehen bei Ausfall der Beleuchtung noch brauchbar?
  2. Kann die Beleuchtung so weit heruntergeregelt („gedimmt“) werden, dass bei sehr schwachem Licht – so wie es beim Nachtansitz zu erwarten ist – keine Überstrahlung des Absehens oder gar des gesamten Gehäuses stattfindet?

 

Das in Frage 1 angesprochene Problem tritt bei Zielfernrohren meist nicht auf, da das Absehen auf eine Glasplatte aufgebracht, also „physisch“ vorhanden ist und auch ohne Beleuchtung sichtbar bleibt. Nach Ausfall der Beleuchtungseinrichtung kann es weiter konventionell (als „Tagabsehen“) benutzt werden. Besteht das Absehen dagegen nur aus einer projizierten Zieleinrichtung, wird es bei Ausfall der Beleuchtung (Batterie verbraucht) unbrauchbar.  

 

 

Diese Auslegung ist bei reinen Leuchtpunktvisieren und einigen Zielfernrohren mit Leuchtpunkt anzutreffen. Hier empfiehlt sich die Mitnahme einer Ersatzbatterie und das vorherige Üben des Batteriewechsels, da das Gerät ohne Beleuchtung praktisch unbrauchbar ist.

 

Frage 2 kann nur unter Beleuchtungsbedingungen beantwortet werden, die einem Nachtansitz nahe kommen. Ein hell erleuchteter Verkaufsraum ist hierzu nicht der geeignete Ort. Sofern nicht Testberichte oder vertrauenswürdige Erfahrungen anderer Jäger vorliegen, sollte ein Praxisversuch durchgeführt werden, um das Glas unter realistischen Bedingungen zu testen.

 

 

Treffpunktkorrektur

 

Das Zusammenwirken von Waffe, Montage, Zielfernrohr und Munition ist ein äußerst komplexes Thema, das wichtige Aspekte der Sicherheit und Waidgerechtigkeit berührt. Der hier vorliegende Text kann nur ein grundsätzliches Verständnis der Zusammenhänge vermitteln. Die Bedienungsanleitungen und Sicherheitshinweise der Hersteller sind gründlich zu studieren. Wenn es im Zusammenhang mit Waffen, Munition, Zielfernrohren und Montagen irgendwelche Unklarheiten über Funktion, Bedienung und Betriebssicherheit gibt, ist unbedingt fachmännische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Einstellen und Korrektur der Treffpunktlage erfolgt über die Verstellung der Absehensmitte. In der Regel wird hierzu eine fein gerasterte „Klick“-Verstellung benutzt. Abgesehen von ausgesprochenen Spezialmodellen für das Präzisionsschießen entspricht ein Klick in der Regel einer Veränderung der Treffpunktlage von etwa 0,7 cm auf 100 m.

Häufig wird auch mit der Einheit MOA gearbeitet. MOA steht für Minute of Angle oder Minute of Arc, was „Bogenminute“ oder „Winkelminute“ bedeutet, der sechzigste Teil eines Grades. Das Winkelmaß 1 MOA entspricht ca. 2,8 cm auf 100 m (ca. 5,6 cm auf 200 m usw.).

 

 

Quelle: Eigene Grafik

 

In englischsprachigen Regionen werden vielfach noch herkömmliche anglo-amerikanische Maßeinheiten verwendet. Die o.a. metrischen Angaben entsprechen etwa 1 inch (= Zoll = 2,54 cm) auf 100 yards (= 91,4 m). Ein Klick entspricht ca. ¼ MOA, vier Klicks (4 x 0,7 cm) ergeben also eine Veränderung von etwa 1 Zoll/inch auf 100 yards bzw. 2,8 cm auf 100 m. Bei Leuchtpunkt-Zielgeräten, die ja vorwiegend für kürzere Distanzen ausgelegt sind, können andere Kalibrierungen der Verstelleinrichtungen gelten (z. B. ein Klick = 0,7 cm auf 50 m statt auf 100 m). Dies gilt gleichermaßen für die Seiten- und die Höhenverstellung.

 

Absehen-Höhenverstellung des LUGER JAGD NA 8 x 56.
Quelle: Eigene Fotografie

 

 

Bezüglich der Absehensverstellung sollte man wissen, ob das Zielfernrohr „zum (tatsächlichen) Treffpunkt hin“ oder „vom (tatsächlichen) Treffpunkt weg“ korrigiert. Liegt der sauber abgegebene Schuss rechts, muss bei manchen Modellen die Absehensverstellung nach „links“ („left“) verstellt werden (= der Schuss soll nach links kommen). Dies wird dadurch erreicht, dass sich die Absehensmitte nach rechts verstellt, also zum Treffpunkt hin, und damit in entgegengesetzter Richtung als an der Klick-Rastung angegeben. Bei anderen Modellen ist es genau umgekehrt. Das Studium der Bedienungsanleitung ist also unumgänglich, um ein zügiges und sparsames Einschießen bzw. Treffpunktkorrektur vorzunehmen.

 

Seitenverstellung des LUGER JAGD NA 8 x 56.
Quelle: Eigene Fotografie

 

 

Schätzen von Entfernungen

 

Bei variablen Zielfernrohren ist grundsätzlich zu unterscheiden, ob das Absehen in der 1. oder 2. Bildebene positioniert ist. Beide Bauarten haben Vor- und Nachteile.

Steht das Absehen in der 1. Bildebene (Objektivbildebene), so wächst es bei  zunehmender Vergrößerungseinstellung mit. Die Proportionen eines anvisierten Objektes bleiben also im Absehen gleich. Damit ist das Entfernungschätzen mit Hilfe des Zielfernrohrs möglich (Wildkörpergröße im Verhältnis zum Abstand der Querbalken, das so genannte „Abdeckmaß“). Der Nachteil dieses Systems ist, dass das größer werdende Absehen zunehmend mehr vom Ziel verdeckt. Weiterhin teilen sich Zitterbewegungen – besonders bei höheren Vergrößerungseinstellungen – dem Auge des Schützen verstärkt mit, die Bildunruhe wächst. Hierdurch kann präzises Zielen erschwert werden.

Steht das Absehen dagegen in der 2. Bildebene (Okularbildebene), bleibt die Größe des Absehens bei zunehmender Vergrößerung unverändert. Während das Ziel also „wächst“, bleibt die Größe des Absehens konstant – die Proportionen des Zieles verändern sich also relativ zum Absehen, wodurch das Entfernungschätzen nicht mehr möglich ist. Die beiden Nachteile des anderen Systems – bei höheren Vergrößerungseinstellungen Verstärkung der Bildunruhe und Abdeckung des Ziels – treten bei dieser Konstruktionsart nicht auf.

LUGER Zielfernrohre haben die Absehen in der 2. Bildebene, sie vergrößern sich beim Wechsel der Vergrößerung also nicht mit.



Beispiel Reh auf 200 m und 100 m.

 

Bei 100 m füllt der Wildkörper den Raum zwischen Querbalken des Absehens vollständig aus. Wildart bzw. Wildgröße muss bekannt sein, wie das nächste Beispiel zeigt.

 

 

 Im Gegensatz zum kleineren Reh füllt der Hirsch den Abstand zwischen den Querbalken nicht bei ca. 100 m, sondern bei ca. 200 m aus.

 

 

 

Diese Grafiken stammen aus Fremdquellen (Swarovski, Leupold). Nicht verwenden.


 

 

 

 

 

 

Darstellung des Unterschiedes zwischen den Bauarten

- Absehen in 1. Bildebene (oben) und

- Absehen in 2. Bildebene (unten).

[Geeignete Grafik einfügen, diese stammt von Swarovski]]

 

In der jagdlichen Praxis ist das Schätzen von Entfernungen durch das Zielfernrohr von eher untergeordneter Bedeutung. Erstens ist diese Methode nur bei Absehen möglich, die Markierungen (Balken, Linien) mit klar definiertem Abschluss und Abstand zur Absehensmitte hin aufweisen. Zweitens vermittelt sie nur einen sehr groben Anhalt für die Entfernung. Drittens muss die Größe des Wildkörpers (bzw. des Rumpfes) bekannt sein und das Wild muss „breit“ stehen, damit „Maß genommen“ werden kann. 

 

Zudem hat sich in den letzten Jahren bei den meisten Jägern das Einschießen der Kugelwaffe auf die „Günstigste Einschießentfernung“ (GEE) statt der früher üblichen 100 m durchgesetzt. Die GEE des beliebten Jagdkalibers .30-06 liegt, abhängig von der jeweiligen Laborierung, bei etwa 180 m. Innerhalb der GEE weicht die Geschossflugbahn nicht mehr als 4 cm von der Visierlinie ab (mit Ausnahme der jagdlich nicht relevanten unmittelbaren Nahdistanz).  Somit kann der Jäger, der diese Abweichung akzeptiert, innerhalb des gesamten Entfernungsbereiches immer den gleichen Haltepunkt wählen („Fleck“ anhalten), egal, ob das Wild auf 70 m, 120 m oder 180 m steht. Erst außerhalb der GEE (in unserem Beispiel also jenseits von 180 m) muss für den Geschossabfall kompensiert werden. Für die GEE spricht auch, dass die durchschnittliche jagdliche Schussentfernung im Inland deutlich unter 100 m liegt. Selbst in den USA, wo vielfach völlig andere Jagdbedingungen vorherrschen, erfolgt die Mehrzahl der Weißwedelabschüsse auf Distanzen unter 200 Yards (ca. 180 m). Somit wird deutlich, dass das Schätzen von Entfernungen per Zielfernrohr kaum praktische Relevanz hat.

 

 

Unterschiedliche Einsatzbereiche

 

„Standard“- Zielfernrohre, wenn man die Mehrzahl der Modelle so nennen darf, decken die üblichen Einsatzbereiche von Jägern und Schützen ab. Natürlich müssen, abhängig vom Haupteinsatzbereich, Gewichtungen vorgenommen werden. Wenn hauptsächlich bei Tageslicht gejagt wird, können leichte, schlanke Zielfernrohre mit 40, 42 oder 44 mm Objektivdurchmesser und mittleren Vergrößerungen (6fach, 3 - 9fach, 1,5 - 6fach) völlig ausreichend sein, da sie bis in die Dämmerung hinein gute Leistungen erbringen. Für Ansitz und Pirsch sind sie zweifellos gut geeignet. Eine 1,5- oder 2fache Vergrößerung bringt zudem die Eignung für die Drückjagd mit sich (sofern das Absehen dafür geeignet ist).

Wenn sich die Jagd häufiger in die Dämmerung oder gar in die Nacht hinein erstreckt, sind natürlich größere Objektivdurchmesser zu empfehlen – 50, 52 oder 56 mm. Die meisten dieser Modelle bieten höhere Vergrößerungseinstellungen (z. B. 8fach; 2,5 - 10fach; 3 - 12fach). Die Entscheidung, diese Gläser mit oder ohne Leuchtabsehen zu kaufen, fällt zunehmend zugunsten der Beleuchtung aus. Sie  bringt dann den entscheidenden Vorteil, wenn ausgesprochen schwierige Bedingungen vorliegen: Schwaches Licht und dunkler Wildkörper – eine typische Situation des nächtlichen Ansitzes auf Schwarzwild.

 

 

Das Absehen 4A mit Leuchtpunkt in einem LUGER Zielfernrohr.


Ggf. gleiches Bild (aus LUGER Katalog) mit besserer Qualität einfügen. Dies ist das alte Abs. 4 A. Das neue 4 A lässt sich leider nicht getrennt aus dem Internet-Katalog kopieren. Ggf. korrigieren.

Wer diese Bedingungen häufiger antrifft, sollte sich unbedingt für das Leuchtabsehen entscheiden. Es kann tatsächlich bedeuten, dass ein verantwortungsvoller, waidgerechter Schuss noch abgegeben werden kann, der ohne Leuchtabsehen nicht möglich gewesen wäre. Der kritische Punkt ist die Erkennbarkeit der Absehensmitte auf dem dunklen Wildkörper, was unter marginalen Lichtverhältnissen mit einem beleuchteten Absehen gegeben ist, beim unbeleuchteten dagegen nicht – bzw. nur erraten werden kann und ein Schuss nicht zu verantworten ist.

 

Die großen Gläser bringen natürlich auch ohne Leuchtabsehen sehr ansprechende Leistungen – die optischen Daten sind schließlich die gleichen wie bei den Modellen mit Leuchtabsehen.

Viele Jäger sagen mit gutem Recht: „Ich möchte für alle Fälle gerüstet sein“. Sie führen daher auch bei Tage lieber das große Glas mit Leuchtabsehen, um zu verhindern, dass sie in eine Situation kommen, in der sie mit einem kleineren Glas rasch an dessen Grenzen stoßen – sollte sich die Jagd wider Erwarten doch in die Abend- oder gar Nachtstunden erstrecken. Sollte sich bei Tage allerdings eine drückjagdähnliche Situation ergeben, sind sie mit „dem Großen“ eher im Nachteil. Andere Jäger wollen immer genau das richtige Glas für den jeweiligen Zweck dabei haben, ohne unnötigen Ballast mit sich zu führen oder Kompromisse eingehen zu müssen. Dieses Thema muss letztlich jeder Jäger – und entsprechend auch der Sportschütze – unter Einbeziehung aller Rahmenbedingungen und persönlichen Präferenzen für sich selbst entscheiden.

Die Drückjagd ist ein Einsatzbereich, der ganz besondere Merkmale und Anforderungen mit sich bringt. Jäger, die häufig an Drückjagden teilnehmen, werden mit großer Wahrscheinlichkeit eine Drückjagdwaffe mit einem speziellen Drückjagdglas besitzen. Bei dieser Waffe handelt es sich in den meisten Fällen um eine kurze, führige, mehrschüssige Waffe mit kräftigem Kaliber. Auf keinen Fall wird es eine einschüssige Kipplaufbüchse im Kaliber .222 Remington sein. Das Drückjagdzielfernrohr zeichnet sich meist durch bescheidene Maße und einen eher geringen Objektivdurchmesser aus. Wichtig sind Vergrößerungsbereich, Sehfeld und Absehen.

 

 

 

Regelbares Rotpunktabsehen für den Drückjagd-Einsatz im LUGER PRO NA 1 - 4 x 26.
Quelle: LUGER Katalog

 

Die Vergrößerungseinstellung muss bis in den untersten Bereich hineinreichen – 1,5fach oder 2fach. Gemeinhin wird 2,5fach als oberste Grenze angesehen. Die geringe Vergrößerung bedeutet zum einen, dass das Sehfeld großzügig bemessen ist – dies verleiht einen guten Überblick über die jagdliche Gesamtsituation anstelle eines kleinen Ausschnitts, in den man das jagdliche Geschehen erst „einpassen“ muss. Das größtmögliche Sehfeld des Drückjagdzielfernrohrs LUGER PRO NA

(1 - 4 x 26) beträgt 35 m (Minimum bei 4fach: 11 m). Im Vergleich dazu hat das LUGER CL 2,5 – 10 x 56, das ja aufgrund der 2,5fachen Vergrößerungsmöglichkeit  als „noch“ drückjagdtauglich angesehen werden kann, ein größtes Sehfeld von nur 12,2 m. Es ist somit kein ausgesprochener Spezialist für diese Jagdart, bestenfalls eine noch akzeptable Lösung. Allerdings muss gesagt werden, dass Gewöhnung und Erfahrung großen Einfluss haben. Jäger, die mit ihrer Waffe, ihrem Glas und bestimmten jagdlichen Situationen vertraut sind, können mitunter erstaunliche Ergebnisse erzielen.



 

Dieses Bild basiert auf dem Bild Edit 4x rifle scope.jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist unbekannt, das Bild ist gemeinfrei.

 

Dieses Bild macht deutlich, dass selbst bei nur 4facher Vergrößerung der präsentierte Bildausschnitt nicht mit der Umgebung übereinstimmt und erst “eingepasst” werden muss. Das dünne Absehen ist für den Drückjagdeinsatz nicht geeignet.

Eine geringe Vergrößerung bedeutet, dass der dargebotene Ausschnitt der Umwelt weitgehend identisch ist mit dem wirklichen Geschehen. Ohne langes Suchen ist man „schnell drauf“, wie es in Jägerkreisen heißt. Dazu gehört aber auch ein prominentes Absehen, das dem Schützen sofort ins Auge springt und problemlos auf den – häufig dunklen – Wildkörper platziert werden kann. Ein haarfeines Fadenkreuz, das für Präzisionsschüsse auf große Distanzen ausgelegt ist, stellt für eine solche Situation keine gute Wahl dar. Die Absehensmitte muss kräftig und kontrastreich ausgelegt sein, so dass eine schnelle und sichere Zielauffassung gegeben ist. Leuchtabsehen können hier eine gute Wahl sein. Sie müssen aber, ganz im Gegensatz zu den Anforderungen beim Nachtansitz, hell und auffällig sein.

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, stellen Leuchtpunktzielgeräte (auch Rotpunkt- oder Leuchtpunktvisiere genannt bzw. mit englischen Bezeichnungen wie point oder dot belegt) im Drückjagd-Einsatz eine ernsthafte Alternative zu  Zielfernrohren dar. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit unter Jägern, die häufig an Drückjagden teilnehmen.

 

 

LUGER Leuchtpunktzielgerät DOT 5. Der großzügige Rohrdurchmesser von 47 mm.
bietet ein hervorragendes Sehfeld und erleichtert die schnelle Zielauffassung. Über die Weaver-Schiene kann das DOT 5 (mit mehr oder weniger großem Aufwand) auf alle Waffen montiert werden.

Quelle: LUGER Katalog

 

 

 

Einfacher und deutlicher geht es nicht: Der in Helligkeit und Größe verstellbare rote Leuchtpunkt des LUGER DOT 5.
Quelle: LUGER Katalog

 

 

Leuchtpunktzielgeräte haben in der Regel keine Vergrößerung und sind damit auf kurze Distanzen zugeschnitten, insbesondere wenn „schnelle“ Schüsse zu erwarten sind. Wie bei Spezialisten nicht anders zu erwarten, fehlt es ihnen an Verwendungsbreite. So bietet ein variables Drückjagdzielfernrohr wie das oben abgebildete LUGER PRO NA 1 - 4 x 26 ein markantes Spezial-Leuchtabsehen für die schnelle Zielauffassung auf kurze Distanzen, gleichzeitig lässt es aber aufgrund der bis zu 4fachen Vergrößerung auch präzise Schüsse auf größere Entfernungen zu. Auf kurzen Distanzen bringen allerdings selbst geringe Vergrößerungseinstellungen einen gewissen Tunneleffekt mit sich: Der im Zielfernrohr sichtbare Ausschnitt entspricht „im Maßstab“ nicht der Umgebung. Der Schütze muss also Bildausschnitt und tatsächliches Geschehen erst in Einklang bringen. Zielauffassung, „Draufbleiben“ und ggf. Vorhalten erfordern einige Übung, insbesondere, wenn es schnell gehen muss. Hier haben Leuchtpunktzielgeräte einen klaren Vorteil, weil bei ihnen der dargebotene Ausschnitt mit der Umgebung übereinstimmt. Man sollte allerdings darauf achten, dass der Durchmesser der Zieloptik nicht zu klein und der Leuchtpunkt ausreichend hell ist (bzw. auf hohe Helligkeitsgrade geregelt werden kann). Das LUGER DOT 5 bietet zudem die  angenehme Möglichkeit, neben der Helligkeit auch die Größe des Leuchtpunktes verstellen zu können (4, 8, 12 und 16 MOA). Damit kann er der jeweiligen tatsächlichen oder erwarteten jagdlichen Situation angepasst werden – z. B. groß und hell im dichten Bestand, klein und „gerade hell genug“, wenn ein etwas weiterer Schuss auf ein kleineres Ziel abgegeben werden soll. Hier bietet sich eine Vielzahl von  Kombinationsmöglichkeiten bei der Wahl von Punktgröße und -helligkeit.

 

Neben den Standard- und Drückjagdzielfernrohren gibt es Spezialzielfernrohre für besondere Einsatzbereiche, wie z. B. das sportliche Präzisionsschießen auf große Entfernungen und für außergewöhnliche jagdliche Bedingungen. Als ein Beispiel von vielen sei hier die in Nordamerika verbreitete Jagdart varmint hunting genannt (Raubzeug-Bejagung), bei dem kleines Wild auf große Entfernungen bejagt wird.

Solche Zielfernrohre verfügen meist über Parallaxeausgleich und sehr hohe Vergrößerungseinstellungen mit einem großen Verstellbereich. In der Regel haben sie spezielle, auf den jeweiligen Zweck zugeschnittene Absehen (z. B. haarfeine Fadenkreuze, Strichplatten/Strichmarkierungen, Hilfslinien etc.). 

Die beiden Spezialzielfernrohre der LUGER LR Reihe weisen einen Vergrößerungsbereich von 4 - 16fach bzw. 8 - 32fach auf.

Da mit diesen Zielfernrohren ggf. auf sehr große Entfernungen geschossen wird, sind  praxisgerechtes Üben und Vertrautheit unerlässlich. Bei Auslandsjagden bestehen viele Jagdführer/Outfitter darauf, nach dem Eintreffen am ausländischen Jagdort  Probeschüsse mit Erfolgskontrolle abzugeben, um eine wichtige Voraussetzung für die waidgerechte Jagdausübung zu erfüllen.

 

 

 

Spezial-Zielfernrohr für Präzisionsschüsse auf große Entfernungen: LUGER LR 8 - 32 x 44 mit sehr starker Vergrößerung, Kreuz/Punkt-Absehen und 1/8 MOA-Feingradierung der Absehensverstellung.

Quelle: LUGER Katalog

 

Natürlich haben solche Zielfernrohre aufgrund ihrer besonderen Auslegung nur einen begrenzten Einsatzbereich. Als Beispiel sei das Sehfeld genannt, das beim LR 8 - 32 x 44 höchstens 4,1 m beträgt (zum Vergleich das LUGER EU 3 - 9 x 44: 11,6 m).

Mit diesen Spezialisten kann nur ein sehr begrenztes Spektrum jagdlicher Situationen abgedeckt werden. Für einen - selbst behelfsmäßigen - Einsatz bei einer Drückjagd oder einen Nachtansitz kommen sie nicht in Frage. Dafür werden sie ihrem Besitzer aber viel Freude bereiten, wenn er mit ihnen vertraut ist und sie in den Bereichen einsetzt, für die sie konzipiert sind. Viele dieser Spezialgläser sind für die Belange des Militärs und von Sicherheitskräften ausgelegt.

 

 

Parallaxe

 

Als Parallaxe (griech. Veränderung, Abweichung) bezeichnet man die scheinbare Verschiebung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine Position verändert. Beim Zielfernrohr tritt der Parallaxe-Effekt auf, wenn ein nicht zentrischer Einblick in das Okular erfolgt. Dadurch verschiebt sich die optische Ebene des Auges gegenüber den optischen Ebenen von Absehen und Ziel. Parallaxe kann somit als die scheinbare Bewegung eines Objektes gegen einen entfernten Hintergrund aufgrund perspektivischer Verschiebung beschrieben werden (diese Verschiebung kann horizontal, diagonal oder vertikal erfolgen).


 

Vereinfachte Darstellung des Phänomens Parallaxe. Von Punkt A (Viewpoint A) aus betrachtet erscheint das sternförmige Objekt näher am blauen Rechteck zu sein, von Punkt B aus dagegen scheint es sich vor das rote Rechteck bewegt zu haben.


Dieses Bild basiert auf dem Bild Parallax Example.svg der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Autor ist Booyabazooka.

 

 

Dieser Artikel basiert teilweise auf dem Artikel Parallaxe aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autorenverfügbar.

 

Der Parallaxefehler, also die Auswirkungen des Phänomens Parallaxe, wird in aller Regel weit überschätzt. In der jagdlichen Praxis ist der Parallaxefehler so gut wie bedeutungslos. Er gewinnt erst dann an Bedeutung, wenn es um höchste Präzision auf sehr große Distanzen geht. Parallaxe tritt zwar gleichermaßen bei kurzen Distanzen auf, ist dann aber für Jäger und Schützen von noch geringerer praktischer Bedeutung als bei Weitschüssen.

Wohlgemerkt: Um den Parallaxefehler zu erzeugen, muss von außerhalb der optischen Achse, also „schräg“, in das Okular eingeblickt werden. Man kann schon sagen, dass man diesen Effekt „provozieren“ muss. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Zielfernrohre werkseitig auf eine bestimmte Entfernung fokussiert sind und damit auf diese Entfernung auch parallaxefrei eingestellt sind. Einige Hersteller setzen diese Entfernung auf 100 m an, andere auf 100 yards oder 150 yards. Bei Sondermodellen (z. B. Kurzwaffen) können auch andere Entfernungen vorkommen, z. B. 50 m oder 75 yards. Auf dieser vom Hersteller eingestellten Entfernung bleibt die Deckung von Objektbild und Absehen erhalten, sie stehen exakt in der gleichen Ebene – auch bei schrägem Einblick! Zwei Bedingungen müssen also zusammentreffen, um einen Parallaxefehler zu erzeugen:

 

- der Einblick in das Okular erfolgt nicht mittig

  und

            - das Ziel liegt außerhalb der parallaxefreien Entfernung.

 

Für Entfernungen, die größer oder kleiner als die parallaxefreie Entfernung sind, liegt das Objektbild einige hundertstel Millimeter vor oder hinter dem Absehen. Wird weiterhin mittig in das Zielfernrohr eingeblickt, ergibt sich keine Verschiebung. Wird schräg eingeblickt, erscheint der Haltepunkt geringfügig gegenüber dem Absehen versetzt.

Bei „passender“ Waffe und damit korrektem Augenabstand ergibt sich der mittige Einblick praktisch von selbst. Wenn das Auge allerdings zu nah am Okular oder zu weit davon entfernt ist, kann sich leicht ein schräger Einblick ergeben (Links-/Rechts- oder Hoch-/Tief-Verschiebung).

Ein sorgfältig agierender Schütze wird in aller Regel mittig – oder zumindest sehr nahe an der Mitte – in das Okular einblicken, da jede Art von Schrägeinblick auffällig ist: Das volle Sehfeld steht nicht zur Verfügung, die Wurzeln der horizontalen und/oder vertikalen Hilfslinien können nicht vollständig gesehen werden, im Randbereich bilden sich schattenartige Erscheinungen. Eine solche Abweichung fällt  sofort auf. Nur bei schnellen Anschlägen kann – vom Schützen „im Eifer des Gefechts“ unbemerkt – die Abweichung vom zentrischen Einblick deutlicher ausfallen. Aber selbst dann liegt der daraus resultierende maximale Zielfehler im Bereich weniger Zentimeter. Ist die Parallaxefreiheit z. B. auf 100 m eingestellt, ergibt sich auf 250 m ein größtmöglicher Parallaxefehler von 3,7 cm. Beträgt die Parallaxefreiheit 150 yards (137 m), ergibt sich auf 500 yards (457 m) ein größtmöglicher Fehler von 3,3 cm. Größtmöglich bedeutet, dass das Auge am Rand der Austrittspupille platziert ist, was ausgesprochen unwahrscheinlich ist..

 

 

 

Zu großer Augenabstand und/oder versetzter Einblick (hier mit einer Digitalkamera) führen bei Zielfernrohren dazu, dass „kein Bild“ geliefert wird. Bei den auf diesem Bild möglichen Schussdistanzen ist der Parallaxefehler bedeutungslos.

Quelle: Eigene Aufnahme. LUGER JAGD-NA 8x56 auf .30-06 Repetierbüchse.

 

In der überwiegenden Mehrzahl der jagdlichen und schießsportlichen Situationen spielt die durch Parallaxe verursachte Abweichung also eine untergeordnete Rolle. Diese Aussage wird noch dadurch untermauert, dass Schüsse auf große Entfernungen in aller Regel sehr sorgfältig und gut vorbereitet abgegeben werden (feste Auflage der Waffe, gründliches Einrichten des Schützen), wodurch fast zwingend ein mittiger Einblick in das Zielfernrohr gegeben ist.

Zielfernrohre mit Parallaxeausgleich verfügen meist über einen Einstellring am Objektivteil, es gibt allerdings auch Modelle mit seitlicher Anbringung. Werden für einen beabsichtigten Präzisionsschuss 300 m eingestellt, dann ist für diese Entfernung Parallaxefreiheit gegeben. Man bedenke aber, dass durch die manuelle Einstellung nun auf allen anderen Entfernungen wieder ein Parallaxefehler auftreten kann.

 

 

Schussprüfer

 

Diese interessanten Begleitgeräte der Zieloptik haben unter den Jägern und Schützen in West- und Mitteleuropa noch nicht die Akzeptanz gefunden, die ihnen eigentlich zusteht und in anderen Regionen der Welt entgegengebracht wird. In den USA z. B. sind „Bore Sighters“ oder „Bore Sighting Collimators“ weit verbreitet und erfreuen sich großer Beliebtheit. Bedienungsanleitungen für Zielfernrohre enthalten dort meist im Kapitel „Sighting-In“ (Erstmaliges Einschießen, Einrichten) eine ausführliche Beschreibung für das Vorgehen mit einem Schussprüfer, der gerne auch „Shot Saver“ genannt wird, also „Schuss-Sparer“ oder „Munitions-Sparer“.

 

 

 

 

Schussprüfer (Einrichtgerät) LUGER SP. Rechts ist das Absehen des Zielfernrohrs auf dem Rastergitter der Schussprüfer-Optik zu sehen.
Quelle: LUGER Katalog


Natürlich kann und soll der Schussprüfer den Weg zum Schießplatz nicht vollständig ersetzen. Er kann aber eine wertvolle Hilfe vor und nach dem Einschießen sein, um tatsächlich Zeit und Munition zu sparen. Vor dem Einschießen erlaubt er ein erstes grobes Einrichten des Absehens (das auf die Mitte der Schussprüfer-Optik gerichtet wird), so dass schon der erste Schuss mit dem neuen Zielfernrohr in der Nähe des gewünschten Treffpunktes liegt und nicht erst mühsam „auf die Scheibe“ gebracht werden muss. Die Schussprüfer werden daher auch als „Einrichtgeräte“ bezeichnet.

 

 

Nach der Grobausrichtung wird das Zielfernrohr im scharfen Schuss gewissenhaft eingeschossen, bis die gewünschte Treffpunktlage exakt erzielt wird (z. B. 4 cm Hochschuss auf 100 m). Jetzt, nach dem Einschießen, kommt ein weiterer Verwendungszweck des Schussprüfers zum Tragen. Wie der Name andeutet, wird der Schussprüfer dazu verwendet, die als optimal ermittelte Stellung des Absehens (also den Winkel der Visierlinie zur Seelenachse) jederzeit ohne großen Aufwand überprüfen zu können. Wenn der Schussprüfer mit dem passenden Kaliberdorn korrekt in die Laufmündung eingesetzt wurde, ist er parallel versetzt zur Seelenachse der Waffe. Mit dem perfekt eingestellten Zielfernrohr „zielt“ man in die feine Kalibrierungsoptik des Schussprüfers (Fadenkreuz oder, wie in der Abbildung, ein Rastergitter) und kann genauestens die Lage der Absehensmitte bestimmen. Diese „Nullstellung“ (Absehen zeigt in der Optik des Schussprüfers genau auf Null bzw. auf einen definierten Punkt) ist praktisch das „Geheimnis“ des Schussprüfers. Nach Transport, Stoß oder Fall der Waffe/des Zielfernrohrs – immer dann, wenn der Schütze eine Veränderung der Optik/der Treffpunktlage befürchten muss – ist mit geringem Aufwand festzustellen, ob sich die Stellung das Absehens verändert hat. Zeigt sich eine Abweichung, ist die korrekte Einstellung über die Verstellmechanismen des Zielfernrohrs schnell wieder hergestellt.

 

Diese Methode kann also tatsächlich den Weg zum Schießplatz ersparen und gibt dem Schützen zudem in Zweifelsfällen die Gewissheit, dass Waffe und Optik nach wie vor zusammenpassen. Wenn allerdings vermutet werden muss, dass die interne Steuerungsmechanik oder Lagerung der Optikelemente Schaden genommen hat, also nicht mehr stabil und wiedergabegenau ist (sich z. B. nach jedem Schuss verstellt), muss selbstverständlich der Optik- oder Waffenfachmann aufgesucht werden. Weiterhin sollte man ausschließen können, dass die Montage die Ursache für die Veränderung ist. Montagen können beschädigt, locker oder unsachgemäß aufgesetzt sein. Nicht umsonst überprüfen erfahrene Jäger immer wieder den festen und korrekten Sitz von Zielfernrohr und Montage, bevor sie die Waffe benutzen.

 

Hat man erst Vertrauen in den Schussprüfer gefasst, eröffnen sich noch andere Möglichkeiten. So kann z. B. leicht überprüft werden, ob das Zielfernrohr den weiter oben erwähnten Fehler der seitlichen und/oder vertikalen Verschiebung des Absehens beim Vergrößerungswechsel zeigt. Weiterhin kann nach Abnehmen und erneutem Aufsetzen eines Zielfernrohrs schnell festgestellt werden, ob es wieder „so sitzt“ wie vorher.

 

Wer Spaß an Zieloptik und Ballistik hat, wird mit dem Schussprüfer viel Freude haben.