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Ferngläser

Ferngläser
Porroprismengläser und Dachkantprismengläser
Gläser für Dämmerung und Nacht
Kompaktgläser
Sondermodelle
Ferngläser ohne Scharfeinstellung
Variable Vergrößerung
Neuere Entwicklungen
Bedienung


 

Ferngläser

 

Ferngläser können als zwei zusammengesetzte, mechanisch und optisch aufeinander abgestimmte Fernrohre angesehen werden. Das englische Wort für Fernglas, binoculars, bringt dies zum Ausdruck, denn es bedeutet soviel wie „zwei Okulare“ oder „zweiäugig“. Auch im Amtsdeutsch gibt es eine solche Bezeichnung, die allerdings umgangssprachlich kaum gebraucht wird. So lautet der Titel der deutschen Norm für Optik und optische Geräte (DIN ISO 14133-2:2003-05) „Anforderungen an binokulare Fernrohre als Hochleistungsinstrumente“. Beim Militär wird häufig die Bezeichnung „Doppelfernrohr“ (DF) benutzt.

 

 

 

Ferngläser sind zwei zusammengesetzte, mechanisch und optisch aufeinander abgestimmte Fernrohre.

Als Beispiel abgebildet: Das variable Fernglas LUGER ZV 10 – 30 x 50.

Quelle: LUGER Katalog

 

 

Der beidäugige Gebrauch unterstützt das räumliche Sehen und bedeutet eine etwa 15% höhere Bildhelligkeit gegenüber einäugigem Sehen. Die beidäugige Nutzung   stellt einen wesentlichen Unterschied zu Spektiv und Zielfernrohr dar und gibt einige optisch-technische Besonderheiten vor. Jede Fernglashälfte ist ein eigenständiges optisches System (Objektiv, Umkehrsystem, Okular) mit den gleichen optischen Daten (Objektivdurchmesser, Vergrößerung) wie die andere Hälfte. Die beiden Fernrohre sind durch einen Mittelteil (Brücke, Steg) miteinander verbunden und können – je nach Ausführung – unterschiedliche Formen des Dioptrienausgleichs aufweisen.

 

           

 Was würden manche Menschen ohne ein gutes Fernglas tun?

Quelle: Eigene Fotografie

 

 

Porroprismengläser und Dachkantprismengläser

 

Die beiden Standard-Bauarten heutiger Ferngläser sind die klassische Porroprismen- und die modernere Dachkantprismen-Bauweise. Meist werden die Gläser kurz als „Porrogläser“ oder „Dachkantgläser“ bezeichnet. Porrogläser werden häufig auch „Feldstecher“ genannt.

In den Prismensystemen durchläuft das einfallende Licht mehrfach den Prozess der Totalreflexion.

 

 

Aufbau eines Porroprismen-Fernglases und schematische Darstellung des Strahlengangs.

Eyepiece: Okular; Porroprisms: Porroprismen; Objective: Objektiv.

Dieses Bild basiert auf dem Bild Binoculars.svg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia  und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Antilived.

 

 

 

Das Ergebnis dieser Prismengruppe von zwei gegeneinander versetzten Porroprismen ist ein paralleler, aber von der Einfallsrichtung versetzter Lichtstrahl und ein um 180° rotiertes Bild:

Dieses Bild basiert auf dem Bild Double-porro-prism.png aus der freien Enzyklopädie Wikipedia  und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist DrBob.

 

Die versetzten optischen Achsen sind der Grund für die breitere Bauweise der Porro-Gläser.

Porrogläser verfügen bauartbedingt über eine hohe Transmissionsleistung. Das Licht wird 4-mal total reflektiert. Porro-Gläser liefern bei entsprechender Herstellungsqualität hervorragende Ergebnisse. Viele Nutzer empfinden bei ihnen ein besseres räumliches Sehen als bei Dachkant-Gläsern.

 

                     

 Porroprismen-Ferngläser von LUGER bieten helle, brillante und kontraststarke Bilder.

            LUGER SX 8 x 40                                                        LUGER ST 8 x 30

 

Quelle: LUGER Katalog

 

Während die Porroprismengläser die „Klassiker“ sind, repräsentieren  Dachkantgläser die modernere Konstruktionsrichtung.

 

Dieses Bild basiert auf dem Bild Abbe-koenig-prism.png  aus der freien Enzyklopädie Wikipedia  und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber der Bilder ist DrBob.

 

Sie erlaubt eine schlanke Formgebung, da die optischen Achsen nur geringfügig versetzt sind. Die Dachkant-Bauweise erfordert allerdings eine sehr aufwändige Herstellung. Das einfallende Licht wird 6-mal total reflektiert. Durch Totalreflexion an den Dachflächen treten unvermeidbare Phasenverschiebungen auf, die sich – sofern unkorrigiert –  negativ auf die Bildqualität auswirken. Um dies zu verhindern, werden die Dachkantflächen bei hochwertigen Herstellern mit einem Phasenkorrekturbelag behandelt (siehe Ende von Kap. 3.4.6).

 

 

Oben: Dachkantbauweise in hoher Vollendung: Das Spitzenmodell LUGER DX.

Die phasenkorrigierten Ferngläser dieser Serie zeichnen sich durch ein kontraststarkes, kristallklares und brillantes Bild aus.

Quelle: LUGER Katalog

 

 

 

 

Das LUGER Dachkant-Fernglas DN 9 x 63, ein „Lichtriese“ mit 7 mm Austrittspupille und einer Dämmerungszahl von 23,81. Zusammen mit der hochwertigen Optik stellen diese Werte eine hervorragende Eignung für den Dämmerungs- und Nachteinsatz sicher (siehe nächstes Kapitel).
Quelle: LUGER Katalog

 

 

 

Gläser für Dämmerung und Nacht

                       

Die Lichtverhältnisse in tiefer Dämmerung und in der Nacht stellen eine große Herausforderung für Ferngläser und Zielfernrohre dar. Unter solchen Bedingungen zeigt sich, ob „alles zusammenpasst“ und die Optik das hält, was die Prospekte e versprechen. Die Anforderungen an die  Vergütung von Dämmerungs- und Nachtgläsern wurden in Kapitel 1.3 dargestellt.

 

 

Wenn ein Jäger am Abend zur Jagd aufbricht, muss er sich auf seine Ausrüstung verlassen können. Waffe, Fernglas und Zielfernrohr müssen auf die jagdlichen Bedingungen abgestimmt sein.
Quelle: Eigene Fotografie.

 

Die Austrittspupille eines guten Nachtglases muss mindestens genau so groß sein wie die Augenpupille – besser noch, etwas größer. So kann möglichst viel Licht in das Auge gelangen und genutzt werden. Die physiologisch-physikalischen Zusammenhänge sind in Kapitel 3.4.1 erklärt. Der Objektivdurchmesser sollte mindestens 42 mm betragen. Bei 6facher Vergrößerung – einem durchaus praxisgerechten Wert – ergibt sich dann eine Austrittspupille (AP) von 7 mm; bei 7facher Vergrößerung ergibt sich immer noch eine Austrittspupille von 6 mm, ein sehr zufriedenstellender Wert für die meisten Bedingungen.                                                                                             
Als „Standard“ gilt das 8 x 56 (AP 7 mm), dem in den letzten Jahren einige Hersteller ein 9 x 63 (AP ebenfalls 7 mm) zur Seite gestellt haben, weil viele Jäger die etwas stärkere Vergrößerung nutzen möchten, ohne Abstriche an der Austrittspupille hinzunehmen. Das neben dem 8 x 56 von einigen Herstellern angebotene 10 x 56 dagegen kann nur eine AP von 5,6 mm aufweisen, führt also dem jüngeren Auge nicht die gesamte nutzbare Lichtmenge zu.

Das über viele Jahre als „Klassiker der Nachtgläser“ geschätzte 7 x 50 stellt mit seiner Austrittspupille von 7,14 mm und der freihändig gut beherrschbaren 7fachen Vergrößerung nach wie vor eine exzellente Wahl dar.

 

 

 

7 x 50 Ferngläser sind eine erstklassige Wahl bei schlechten Lichtbedingungen.
Abb.: LUGER SX 7x50
Quelle: LUGER Katalog

 

 

 

 Wenn das Tageslicht langsam schwindet, tritt hochwertige Optik immer mehr in den Vordergrund – auch dann, wenn der Mond seine Unterstützung ankündigt.
Quelle: Eigene Fotografie.

 

Für die Altersklasse über 40 ist ein 7 x 42 (AP 6 mm) oder 8 x 50 (AP 6,25 mm) eine sehr gute Lösung. Auch ein hochwertiges 8 x 42 (AP 5,25 mm), wie z. B. das LUGER DX 8 x 42 mit einem erstklassigen phasenkorrigierten Dachkantprismensystem, beeindruckt in tiefer Dämmerung durch eine optische Leistungsfähigkeit, die selbst eingefleischte Benutzer von „Standard“- und „Klassiker“-Gläsern überrascht. Mit knapp über 600 g wiegt es zudem nur etwa die Hälfte eines typischen 8 x 56.

 

 

 

Dieses Bild basiert auf dem Bild Rød ræv (Vulpes vulpes).jpg aus der freien Enzyklopädie Wikipedia  und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber der Bilder ist Malene Thyssen.

 

Schwaches Licht, gute Deckung, keine Bewegung – ohne hochwertige Optik wäre es sehr schwer, diesen Fuchs bei schlechten Lichtverhältnissen aufzufassen und eindeutig als solchen anzusprechen.

 

Wichtig ist: Neben den nackten Daten, die ja im Wesentlichen nur das optische Leistungspotential  vorgeben, bestimmt die Qualität der Optik maßgeblich die Eignung eines Fernglases und Zielfernrohres für den Dämmerungs- und Nachteinsatz.

 

 

 

Kompaktgläser

 

Die Gläser der Kompaktklasse werden auch als „Faltgläser“ oder „Taschengläser“ bezeichnet. Diese etwas verniedlichenden Ausdrücke täuschen leicht darüber hinweg, dass diese Ferngläser eine erstaunliche Leistungsfähigkeit besitzen. Für den Tageseinsatz sind sie unter vielen Bedingungen ein vollwertiger Ersatz für größere Gläser. Erst in der Dämmerung stoßen sie, wie aufgrund der optischen Daten nicht anders zu erwarten, an ihre Grenzen. So hat das LUGER LW 8 x 25 eine Austrittspupille von 3,1 mm, die unter Tageslichtdingungen voll ausreichend ist. In Anbetracht der hochwertigen Optik, einem Sehfeld von 108 m, einem Gewicht von nur 308 g, der Wasserdichtheit, der Gummiarmierung und der  kompakten Maße – besonders im gefalteten Zustand – stellt sich immer wieder die Frage: „Was brauche ich mehr?“ Taschengläser finden bequem in der Jacken-, Mantel- oder Hosentasche Platz oder sind in der meist mitgelieferten Tragetasche leicht am Gürtel zu tragen. Selbstverständlich können sie auch, jederzeit griffbereit, um den Hals gehängt werden. Die 8fache Vergrößerung holt ein 100 m entferntes Hinweisschild auf 12,5 m heran. Oder sie erlaubt einen genauen Blick auf den „braunen Fleck da drüben“, der sich dann als ein Reh herausstellt.

 

 

Das kompakte, leistungsstarke LUGER LD 8 x 22
Quelle: LUGER Katalog

 

Da Taschengläser überwiegend freihändig benutzt werden, sollte die 8fache, höchstens aber 10fache Vergrößerung nicht überschritten werden, da sonst verwacklungsfreies Beobachten kaum möglich ist.

Die Dämmerungszahl von 14,1 bei unserem Beispielglas zeigt die Grenzen der Kompakten auf. Sobald das Licht schwindet, sind Taschengläser aufgrund ihres geringen Objektivdurchmessers (meist im Bereich 18 – 26 mm) natürlich überfordert.

 

Die kompakten Maße lassen natürlich keine großzügig dimensionierten Bedienelemente zu. Besonders wenn Handschuhe getragen werden, kann der Bedienungskomfort gewissen Beeinträchtigungen unterliegen. Gute Produkte können aber aufgrund richtiger Platzierung und sorgfältiger Formgebung durchaus befriedigen.

Wichtig ist zudem, dass die Bedienelemente eine gewisse Schwergängigkeit aufweisen, damit sie sich nicht von selbst  verstellen.

 

Die Kompaktklasse ist unterhalb der Mittelklasse einzuordnen, die in Kapitel 5 näher betrachtet wird und die über sehr ansprechende Allround-Eigenschaften verfügt. An die Vielseitigkeit dieser „Pirschgläser“, wie die Mittelklasse gerne genannt wird, kommt die Kompaktklasse nicht ganz heran. In ihren typischen Einsatzbereichen können die höherwertigen Vertreter dieser Klasse aber durchaus überzeugen: Auf Spaziergängen, Wanderungen, Berg- und Skitouren stehen sie ihren Mann, bei vielen Gelegenheitsbeobachtungen daheim und unterwegs leisten sie hervorragende Dienste, bei Sport- und Kulturveranstaltungen bringen sie dem Nutzer das Geschehen bequem und unauffällig näher. Auch bei der Auslandsjagd in Regionen der Welt, in denen die Jagd überwiegend bei Tageslicht betrieben wird, sind gute Taschengläser beliebt.  

 

 

Sondermodelle

                       

Einige Fernglas-Modelle lassen sich aufgrund ihrer besonderen Ausstattung nicht in den Rahmen der marktüblichen Standard-Klasse einordnen. Diese Spezialmodelle sind auf Einsatzbereiche oder Benutzerwünsche abgestimmt, die den normalen Rahmen sprengen und sollen daher nur kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit gestreift werden.

 

 

Ferngläser ohne Scharfeinstellung

 

Es gibt Ferngläser, die über eine feste, also nicht vom Benutzer beeinflussbare Scharfeinstellung verfügen. In der Namensgebung finden sich meist Bezeichnungen, die auf diese besondere Auslegung hinweisen (z. B. Fix-, Perma- oder Instant-Fokus bzw. Focus).

 

Das LUGER FX mit fester Fokussierung. Keine Scharfeinstellung, keine Dioptrienverstellung.
Nur der individuelle Augenabstand kann eingestellt werden.
Quelle: LUGER Katalog.

 

 

Diese Gläser haben den Vorteil schnellster Einsatzbereitschaft, da vom Benutzer keinerlei Einstellungen vorzunehmen sind. Fokussiereinrichtung(en) und Dioptrienausgleich sind nicht vorhanden. Die werkseitig vorgegebene Scharfstellung reicht vom Nahbereich (der meist unterhalb von 10 m beginnt) bis unendlich. Der Nahbereich des LUGER FX 7 x 50 beispielsweise beträgt 6 m, ein durchaus praxisgerechter Wert, der auch den Vergleich mit Standard-Gläsern nicht zu scheuen braucht.   

 

Aufgrund der Auslegung dieser Modelle ist auch bei Nutzung durch andere Personen keine Veränderung der Einstellungen nötig bzw. möglich (mit Ausnahme des Augenabstandes).    

                                                                                             

Natürlich sind mit diesem Konzept Nachteile verbunden. So kann eine Korrektur für Fehlsichtigkeiten (Kurz-/Weitsichtigkeit) oder unterschiedlichen Sehstärken links/rechts nicht vorgenommen werden, da kein Dioptrienausgleich vorhanden ist. Brillenträger werden diese Ferngläser daher in den meisten Fällen mit ihrer Sehhilfe benutzen müssen.

 

Die Gläser lassen ein feinfühliges Einstellen auf bestimmte Entfernungen – was bei Standardgläsern zur Erzielung optimaler Schärfe und höchsten Sehkomforts normalerweise erforderlich ist – nicht zu. Der Benutzer ist also darauf angewiesen, dass das Glas die versprochene Scharfstellung in dem festgelegten Distanzbereich einwandfrei liefert. Als Vorteil ist zu verbuchen, dass solche Gläser durch ihre einfache Handhabung im flüchtigen Gebrauch nicht zu überbieten sind: Glas hochnehmen, reinschauen, fertig – das dargebotene Bild sollte perfekt scharf sein.

 

Wer sein Fernglas in einem Einsatzbereich verwendet, der absehbar keine höheren Anforderungen mit sich bringt, kann mit einem solchen Glas bestens bedient sein und viel Freude daran haben.

 

 

 

Variable Vergrößerung

 

Eine weitere Sondergruppe sind Ferngläser mit variabler Vergrößerung. Sie werden auch Zoom-Ferngläser genannt oder tragen andere Bezeichnungen, die auf ihre variable Auslegung hinweisen.

 

Der Vergrößerungsbereich variabler Ferngläser beginnt meist dort, wo marktübliche Standardgläser enden und erreicht Größenordnungen, die im Vergrößerungsbereich von Spektiven liegen. LUGER bietet beispielsweise das Modell ZV an, dessen Vergrößerung bei 10fach beginnt und erst bei 30fach endet. Wie in diesem Text mehrfach erwähnt, liegt die „Verwacklungsgrenze“ für den freihändigen Gebrauch bei ca. 8- bis 10facher Vergrößerung. Höhere Werte können nur dann sinnvoll genutzt werden, wenn eine feste Auflage gegeben ist, ein Stativ benutzt wird oder zumindest ein „Anstreichen“ an einem Stützelement möglich ist. Zoom-Ferngläser werden somit überwiegend in ihren unteren Verstellbereichen  benutzt, bieten aber die Option für einen spektivähnlichen Einsatz, sollte dieser notwendig oder wünschenswert sein – vorausgesetzt, die entsprechenden Einsatzbedingungen lassen eine verwacklungsfreie oder zumindest verwacklungsarme Nutzung zu.

 

 

Das LUGER ZV mit stufenlos verstellbarer Vergrößerung von 10fach bis 30fach.
Objektivdurchmesser: 30 mm.
Quelle: LUGER Katalog.

 

Bei den höheren Vergrößerungseinstellungen gelten die gleichen Gesetzmäßigkeiten wie bei Spektiven: Austrittspupille und Sehfeld nehmen deutlich ab. Beim LUGER ZV  beträgt die Austrittspupille bei 10facher Vergrößerung 5 mm, bei  30facher Vergrößerung verbleiben nur 1,67 mm. Die höheren Einstellungen sind somit nur bei guten Lichtbedingungen sinnvoll. Daran kann auch die riesige Dämmerungszahl (38,73 bei 30facher Vergrößerung) nichts ändern, da bezüglich der nutzbaren Lichtausbeute die Austrittspupille der begrenzende Faktor ist.

 

Das Sehfeld des Musterglases beträgt bereits bei 10facher Vergrößerung nur bescheidene 58 m, was etwa der Hälfte eines vergleichbaren Standardglases entspricht. Bei 30facher Vergrößerung schrumpft es auf 30 m. Hier kann also ein Schwachpunkt dieser Auslegung gesehen werden. Andererseits bieten diese Gläser die Option eines vielseitigen Einsatzes und detaillierter Beobachtungen auf große Entfernungen. Sofern sich der Benutzer der konstruktionsbedingten optischen und praktischen Einschränkungen bewusst ist und damit umzugehen weiß, kann er mit einem solchen Glas viel Freude haben und Bereiche erschließen, die einem Standardglas verwehrt sind.

 

 

 

Neuere Entwicklungen

 

Weitere Sondermodelle verfügen über einen integrierten (und meist beleuchteten) Kompass und/oder Vorrichtungen für das Schätzen oder Messen von Entfernungen. Die Daten können in das Umkehrsystem eingespiegelt werden, so dass sie während der laufenden Beobachtung abgelesen werden können. Das Schätzen von Entfernungen und Dimensionen geschieht meist über Strichplatten/-markierungen, die, ähnlich dem Absehen eines Zielfernrohrs, auf das Glas aufgebracht sind. Hierzu muss man aber wissen, dass in der Regel ein Wert bereits bekannt sein muss, um den anderen zu ermitteln (Höhe eines Turmes ist bekannt, daraus kann die Entfernung ermittelt werden und umgekehrt). Meist ist die Anwendung einer Formel notwendig, um den gesuchten zweiten Wert zu ermitteln. Für Benutzer, die Spaß am Umgang mit optisch-technischen Anwendungen haben, können solche Spezialgläser eine wahre Fundgrube von Einsatzbereichen sein. Besonders dann, wenn man mit geographischen Karten vertraut ist und die Aktivitäten in der freien Natur gerne mit etwas Experimentierfreude würzt.

 

Neueste Entwicklungen verfügen über integrierte Laser-Entfernungsmesser für die exakte Ermittlung (ca. ± 1 m) der Entfernung zum beobachteten Objekt.

Darüber hinaus gibt es weitere Sonderformen einzelner Hersteller, so z. B. ein Modell  mit Wahlmöglichkeit zwischen zwei verschiedenen Vergrößerungen und ein Modell  mit Verstärkeraufsatz, der einen der beiden Tuben praktisch zum Spektiv umfunktioniert.

 

Weiterhin gibt es aufwändig gefertigte und entsprechend teure Ferngläser mit Bildstabilisierung, die ein weitgehend verwacklungsfreies Beobachten auch bei höheren Vergrößerungseinstellungen erlauben.

 

Es würde zu weit führen, hier auf weitere Spezialmodelle einzugehen. Die technische Entwicklung im Bereich der Gebrauchsoptik geht mit großen Schritten voran und LUGER ist an vorderster „Front“ mit dabei. Eine technische Neuerung oder ein neues Produkt wird allerdings nur dann in die Angebotspalette aufgenommen, wenn die Praxistauglichkeit nachgewiesen ist und ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis erzielt werden kann. Unsere Kunden sollen weder Versuchskaninchen sein noch den hohen Preisen ausgesetzt werden, die bei der Markteinführung neuer Produkte oder neuer Technologie häufig zu beobachten sind.

 

 

Ein bewährtes Spezialglas: Das LUGER SG 7 x 50 mit beleuchtetem Kompass und integrierter Entfernungsskala.
Quelle: LUGER Katalog

 

 

Bedienung

 

 

Die wohl wichtigste Einstellung, die an einem Fernglas vorzunehmen ist, ist die Fokussierung, die Einstellung der Bildschärfe. Zuvor ist allerdings der korrekte Augenabstand herzustellen, was bei Ferngläsern (im Gegensatz zu den Zielfernrohren) bedeutet, dass der Abstand zwischen den beiden Fernglashälften genau auf den – individuell stark unterschiedlichen – Abstand zwischen linkem und rechtem Auge einzustellen ist. Diese Einstellung wird häufig vernachlässigt, was dazu führt, dass dem Betrachter kein optimales Bild vermittelt wird.

 

Hierzu müssen die beiden Tuben mittels des beweglichen Mittelteils (Brücke, Steg) so weit zusammengeführt werden, dass für den Betrachter ein einziges kreisrundes Bild entsteht, so wie es beim Blick durch ein Monokular entstehen würde. Dies bedeutet in der Regel, dass die Okularteile des Fernglases seitlich eng an der Nasenwurzel anliegen, ohne jedoch unangenehm zu drücken oder gar Schmerzen zu bereiten. Wird dieses Idealbild nicht erreicht, ist eine entspannte und scharfe Beobachtung nicht möglich. Es gibt leider Ferngläser, die aufgrund ihrer mangelhaften Konstruktion eine vernünftige Einstellung nicht zulassen.

 

Das Vorgehen für eine korrekte Scharfeinstellung ist abhängig vom jeweiligen System des Fernglases:

  • Ferngläser mit Einzelokular-Einstellung
  • Ferngläser mit Zentralfokussierung (Mitteltrieb) zu unterteilen in
  • Mitteltrieb plus separatem Dioptrienausgleich für eines der Okulare
  • Mitteltrieb ohne zusätzlichen Dioptrienausgleich.

 

Die Scharfeinstellung über Mitteltrieb mit zusätzlichem Dioptrienausgleich ist die am weitesten verbreitete (und wohl auch die praktischste) Konstruktion, während die nur mit Mitteltrieb (ohne zusätzlichen Dioptrienausgleich) versehenen Modelle eher selten sind (Opern-/Theatergläser).

 

Es würde zu weit führen, im Einzelnen auf die genauen Verfahren für eine korrekte Scharfeinstellung bei den unterschiedlichen Systemen einzugehen. Die Hersteller fügen ihren Produkten in der Regel exakte Anweisungen für das Vorgehen bei der Fokussierung bei und erklären ausführlich, wie Fehlsichtigkeiten über den Dioptrienausgleich zu korrigieren sind und welche sonstigen Besonderheiten Brillen- und Kontaktlinsenträger zu beachten haben.

 

Es empfiehlt sich, den Umgang mit der Fokussierung zu üben. Dies mag zunächst nicht jedermann einleuchten. Beim Einsatz in der Praxis, insbesondere im Jagdbetrieb – und hier vor allem beim Nachtansitz – ist aber der gekonnte und routinierte Umgang mit dem Fernglas (und natürlich in gleichem Maße mit dem Zielfernrohr) wichtig, um den jagdlichen Erfolg und die Freude an der Beobachtung nicht zu gefährden.

 

So sollte man ohne großes Nachdenken wissen, welche Bedienelemente in welche Richtung gedreht werden müssen, wenn von größeren Beobachtungsentfernungen auf kürzere umgestellt wird und umgekehrt – eine typische Situation bei schnell näher ziehendem Wild oder bei plötzlich auftauchendem Wild in bestimmter Entfernung. Wird von größeren auf kürzere Distanzen umgestellt, ist häufig eine Nachregulierung der Fokussierung in Richtung „Plus“ (+) erforderlich, um weiterhin ein scharfes Bild zu erhalten. Schon schwindendes Büchsenlicht macht häufig Feinregulierungen erforderlich. Der erfahrene Jäger weiß, auch ohne ständig mit der Taschenlampe auf die Bedienelemente leuchten zu müssen, wie er mit seiner Beobachtungs- und Zieloptik am besten zurechtkommt – auch unter schwierigen Bedingungen.